{"id":6,"date":"2014-07-28T19:04:31","date_gmt":"2014-07-28T17:04:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.das-wilde-sein.de\/?p=6"},"modified":"2015-06-24T18:46:14","modified_gmt":"2015-06-24T16:46:14","slug":"paratheologische-bissen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vigorous-carson.84-19-186-9.plesk.page\/?p=6","title":{"rendered":"Paratheologische Bissen"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><b><i>Vom Sinn der Bildkritik<\/i><\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0Kulturwissenschaftliche und kunstgeschichtliche Reflexionen \u00fcber symbolische Bedeutung und \u00e4sthetischen Wert von Kunstwerken sind\u00a0im akademischen Selbstverst\u00e4ndnis moderner Kulturen etabliert. Sie sind eine bew\u00e4hrte Tradition, deren Gegenstand im Regelfall der Menge geschichtlich relevanter Klassiker oder zeitgen\u00f6ssischer Avantgarde entstammt. Die Auseinandersetzung mit dem instrumentellen Einsatz von Bildern, etwa zur medialen Kommunikation oder\u00a0politischen Meinungsbildung, l\u00e4sst sich demgegen\u00fcber vielmehr in Medien- und Politikwissenschaften finden. An dieser Stelle soll nun allerdings keines der beiden Lager bezogen werden;\u00a0zun\u00e4chst weil ein Blog keinen unmittelbaren Beitrag zum gesellschaftlichen System der Wissenschaft leisten kann, dann weil der Gegenstand der Bildkritik selbst aus dem Rahmen der genannten Disziplinen f\u00e4llt.<\/p>\n<figure id=\"attachment_15\" aria-describedby=\"caption-attachment-15\" style=\"width: 218px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.das-wilde-sein.de\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/742982.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-15 size-medium\" src=\"http:\/\/www.das-wilde-sein.de\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/742982-218x300.jpg\" alt=\"Franz\u00f6sischer Originaltitel der &quot;Mythen des Alltags&quot; (1964\/57)\" width=\"218\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/vigorous-carson.84-19-186-9.plesk.page\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/742982-218x300.jpg 218w, https:\/\/vigorous-carson.84-19-186-9.plesk.page\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/742982.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 218px) 100vw, 218px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-15\" class=\"wp-caption-text\">Franz\u00f6sischer Originaltitel der &#8222;Mythen des Alltags&#8220; (1964\/57); <a href=\"http:\/\/salon-litteraire.com\/fr\/ephemeride\/content\/1808275-12-novembre-1915-naissance-de-roland-barthes-ecrivain-et-semiologue-francais\">Quelle<\/a><\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich m\u00f6chte stattdessen einen unvoreingenommenen undmethodologisch naiven Blick auf etwas werfen, was ich mit Roland Barthes die &#8222;Mythen des Alltags&#8220; nennen m\u00f6chte. Das Internet bietet eine billige Verf\u00fcgbarkeit diverser, suggestiver\u00a0Reize, die in zahlreichen F\u00e4llen nur oberfl\u00e4chlich und peripher verarbeitet\u00a0werden. Die Wahrnehmung dieser Inhalte \u00e4hnelt demjenigen des Mythos, d. h. sie geschieht ohne Ber\u00fccksichtigung ihrer internen Struktur und ihrem Bezug zur eigenen Person. Ich meine, dass ein entschleunigender Beitrag zur\u00a0\u03b1\u1f34\u03c3\u03b8\u03b7\u03c3\u03b9\u03c2 (aisthesis: Wahrnehmung, Empfindung) der fl\u00fcchtigen Inhalte des Internets deren Genuss bereichern kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>\u00dcber Paratheologie<\/strong><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als ich mich auf die digitale Suche nach dem fraglichen Begriff begeben habe, stie\u00df ich auf folgende Definition:<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">Paratheology recognizes that despite the tremendous advances in mankind\u2019s understanding of the world around him, there are still phenomena that can only be classified as unexplained. (<em><a title=\"www.alienjesus.com\" href=\"http:\/\/www.alienjesus.com\/what-is-paratheology\/\">http:\/\/www.alienjesus.com<\/a>)<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<figure id=\"attachment_13\" aria-describedby=\"caption-attachment-13\" style=\"width: 186px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-13 size-medium\" src=\"http:\/\/www.das-wilde-sein.de\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/a88a4b93c476250a33e0a1475e8ea33a-186x300.jpg\" alt=\"a88a4b93c476250a33e0a1475e8ea33a\" width=\"186\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/vigorous-carson.84-19-186-9.plesk.page\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/a88a4b93c476250a33e0a1475e8ea33a-186x300.jpg 186w, https:\/\/vigorous-carson.84-19-186-9.plesk.page\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/a88a4b93c476250a33e0a1475e8ea33a.jpg 349w\" sizes=\"auto, (max-width: 186px) 100vw, 186px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-13\" class=\"wp-caption-text\">&#8222;Der gemeinsame Hintergrund von Religion, Wissenschaft und dem Paranormalen&#8220; &#8211; Ebenfalls eine missverstandene Interpretation des Begriffs Paratheologie, denn hier reicht der etablierte Begriff &#8222;Esoterik&#8220;; <a href=\"http:\/\/www.hienschkunst.nl\/index.php?page=shop.product_details&amp;flypage=shop.flypage_new&amp;product_id=164&amp;option=com_virtuemart&amp;Itemid=26\">Quelle<\/a><\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dies&#8216; ist hier gewiss nicht gemeint. Mehr noch &#8211; der Definitionsversuch scheint am rudiment\u00e4ren Unwissen des Autors zu scheitern, der eine akzeptable Definition des Agnostizismus liefert. Nach meinem Daf\u00fcrhalten, ergibt es wenig Sinn, diese beiden Termini als synonym zu verstehen. F\u00fcr diese Behauptung spricht allerdings keine lexikalische Autorit\u00e4t, denn der Begriff der Paratheologie findet keine verbreitete Verwendung. Es handelt sich um ein Kompositum<br \/>\nder Theologie als wissenschaftlicher Besch\u00e4ftigung mit Religion und dem Pr\u00e4fix para-, das im \u00fcbertragenen Sinne gleicherma\u00dfen neben wie gegen bedeuten kann. Im Spannungsfeld dieser beiden Varianten m\u00f6chte ich die Paratheologie an dieser Stelle verstanden wissen: Die \u00dcberlegungen widersprechen der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit der Religion oder stehen neben ihr. In beiden F\u00e4llen ist wichtig, dass es sich hierbei in erster Linie um einen formalen Unterschied handelt, denn im Gegensatz zu den Erwartungen des Autors des obigen Zitates kann sich die Theologie selbstredend auch mit unreligi\u00f6sen Ph\u00e4nomenen auseinandersetzen. Paratheologie jedoch weicht entschieden von der Methodik der Theologie ab, ist bisweilen ihr unwissenschaftlich Stiefkind. Einen paratheologischen Gedanken zu fassen, soll hier hei\u00dfen, \u00a0dass ein Pfad beschritten wird, der einer orthodoxen Theologie verborgen bleibt, weil ihre Pr\u00e4missen ihr die Einsicht verbieten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>Das strittige\u00a0Exponat<\/strong><\/em><\/p>\n<figure id=\"attachment_7\" aria-describedby=\"caption-attachment-7\" style=\"width: 249px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.das-wilde-sein.de\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/thumbs_picdump371_004.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-7 size-medium\" src=\"http:\/\/www.das-wilde-sein.de\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/thumbs_picdump371_004-249x300.jpg\" alt=\"Paratheologie\" width=\"249\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/vigorous-carson.84-19-186-9.plesk.page\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/thumbs_picdump371_004-249x300.jpg 249w, https:\/\/vigorous-carson.84-19-186-9.plesk.page\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/thumbs_picdump371_004.jpg 500w\" sizes=\"auto, (max-width: 249px) 100vw, 249px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-7\" class=\"wp-caption-text\"><a href=\"http:\/\/fbgags.com\/if-god-isnt-real-then-how-come-peecha-chakka-no-wookie-boonowa-tweepi-solo-ho-ho-ho-ho-hoooo-chrisians-0-atheists-0-jabba-1\">Quelle<\/a><\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dem Bild, das mich dazu angeregt hat, die Bildkritik und den paratheologischen Standpunkt zu bem\u00fchen, begegnete mir durch Zufall in den Weiten des Internets, in einer namenlosen Bildersammlung, die die Luft des &#8222;optischen Zeitalters&#8220; (Karl Pawek) atmete, d. h. dem kulturell erzeugten Bed\u00fcrfnis nach\u00a0visueller Reizflut gen\u00fcgt. Es handelt sich um eine graphisch komprimierte, minimalistische Kombination einer Nahaufnahme einer Figur aus der Fantasie des amerikanischen Autors George Lucas mit einem in das Bild geschriebenen Kommentar. Hier soll nun die Geschichte des Bildes skizziert werden, um seine Bedeutung anschlie\u00dfend voll entfalten zu k\u00f6nnen.\u00a0Die Wirkung des Bildes konstituieren drei stilistische Komponenten: Der Diskurs um Gottesbeweise im Medium des Internets, die Analogie zu sportlichen Erfolgsma\u00dfen und die Fiktionalit\u00e4t des Imagin\u00e4ren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>Gottesbeweise<\/strong><\/em><\/p>\n<figure id=\"attachment_20\" aria-describedby=\"caption-attachment-20\" style=\"width: 168px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.das-wilde-sein.de\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/f_17_anselm.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-20 size-medium\" src=\"http:\/\/www.das-wilde-sein.de\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/f_17_anselm-168x300.jpg\" alt=\"Anselm von Canterbury: Autor der Urform des ontologischen Gottesbeweises: aliquid quo maius nihil cogitari potest - das, wor\u00fcber nichts Gr\u00f6\u00dferes gedacht werden kann\" width=\"168\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/vigorous-carson.84-19-186-9.plesk.page\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/f_17_anselm-168x300.jpg 168w, https:\/\/vigorous-carson.84-19-186-9.plesk.page\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/f_17_anselm.jpg 337w\" sizes=\"auto, (max-width: 168px) 100vw, 168px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-20\" class=\"wp-caption-text\">Anselm von Canterbury: Autor der Urform des ontologischen Gottesbeweises: aliquid quo maius nihil cogitari potest &#8211; das, wor\u00fcber nichts Gr\u00f6\u00dferes gedacht werden kann; <a href=\"http:\/\/www.konradsblatt-online.de\/html\/liste\/april.html?&amp;tab=detail&amp;scene=detail&amp;m=33994&amp;e=34083&amp;id=240\">Quelle<\/a><\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Gottesbeweis ist der philosophische Zugang zu Fragestellungen\u00a0der Theologie. Der Schein mag tr\u00fcgen, dass sie in erster Linie eine Angelegenheit der Theologie seien, doch tats\u00e4chlich insofern diese sich mit g\u00f6ttlicher Existenz auseinandersetzt, ist sie unstrittig. Erst philosophisch l\u00e4sst sich n\u00e4mlich nach der G\u00fcltigkeit dieses Axioms fragen. Die Relevanz dieser Grundfrage theologischer Philosophie indes reicht in der \u00f6ffentlichen Wahrnehmung oftmals \u00fcber den akademischen Diskurs hinaus. Intuitiv verst\u00e4ndlich fragen sich Religi\u00f6se in einem rationalistischen, aufgekl\u00e4rten Kulturkreis nach den Bedingungen ihres Glaubens. Diese Fragestellung kontinuiert sich selbst im Internet und kulminiert in Phrasen, die den Beweis ex negativo wagen: &#8222;If god isn&#8217;t real, then how come[s]&#8230;&#8220;. Die Philosophiegeschichte liefert hier zahlreiche\u00a0Prototypen. Klassisch lassen sich der ontologische, kosmologische und der teleologische Gottesbeweis unterscheiden. Sie werden durch die\u00a0nicht-klassischen Beweise flankiert, etwa der moralische oder der grammatische. F\u00fcr eine \u00dcbersichtsarbeit empfiehlt sich bei Interesse Joachim Bromands und Guido Kreis&#8216; &#8222;Gottesbeweise&#8220; (Frankfurt am Main 2011).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im vorliegenden Fall handelt es sich jedoch nicht um einen Gottesbeweis im argumentativen Sinne. Worum es sich tats\u00e4chlich handelt, ist dieweil h\u00f6chst fragw\u00fcrdig. Zun\u00e4chst aktiviert die erw\u00e4hnte Phrase, mit der\u00a0die Bildinschrift beginnt, die Assoziation eines Gottesbeweises. Was folgt, ist auf den ersten Blick sprachlich nicht konsistent mit derselben. Selbst unter Bezugnahme auf den Kontext der fiktionalen \u00c4u\u00dferung des Textes l\u00e4sst sich nicht von einem Verweis auf einen Gottesbeweis sprechen. Aus diesem Blickwinkel ist das Bild scheinbar kein Beitrag zum philosophisch-theologischen Diskurs.\u00a0Die naheliegende Option zur\u00a0Erkl\u00e4rung dieser Inkonsistenz scheint nun zu sein, dass es sich um eine Parodie des Diskurses selbst, also um Meta-Kommunikation handelt. In diesem Fall kann das Bild entweder den h\u00e4mischen Vergleich zwischen den Teilnehmern des tats\u00e4chlichen Diskurses mit thematisch irrelevantem Nonsens bedeuten, oder diesen Vergleich zumindest inhaltlich anstellen, um zu zeigen, dass der Regelfall des Gottesbeweises absurd ist. Es ist gewiss nicht auszuschlie\u00dfen, dass der Autor des Bildes diese satirische Intention gehabt hat, doch interessant wird dessen Auslegung in diesem Fall nicht. Deswegen soll hier eine alternative Lesart vorgeschlagen werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><em>Der Punktestand<\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einen Vorsprung oder Sieg durch Ziffern zu illustrieren, scheint eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit. Es erinnert an den sportlichen Wettkampf, bei dem erzielte Tore, K\u00f6rbe oder Punkte auf diese Weise festgehalten werden. Die Analogie nicht-sportlicher Wettk\u00e4mpfe zu dieser Z\u00e4hlweise ist in die Alltagssprache \u00fcbergegangen. Selbst die \u00dcbertragung auf andere Wettk\u00e4mpfe als Zweik\u00e4mpfe st\u00f6rt nicht, sodass es keiner Verrenkung bedarf, um den Punktestand im vorliegenden Bild deuten zu k\u00f6nnen. Diese Griffigkeit allerdings t\u00e4uscht schnell dar\u00fcber hinweg, dass es eigentlich fragw\u00fcrdig ist, ob hier eine dritte Partei teilnehmen kann. Der\u00a0Wettstreit\u00a0von &#8222;Christians&#8220; und &#8222;Atheists&#8220; hat ein offensichtliches Thema, die Existenz oder Inexistenz Gottes. Logisch handelt es sich um ein exklusives Verh\u00e4ltnis: entweder existiert Gott, oder er ist illusion\u00e4r.\u00a0Die Beweislast liegt beim Nachweis seiner Existenz, beim Gottesbeweis. In anderen Worten: W\u00e4re der Pseudo-Gottesbeweis, der hier auf Jabba the Hutt attribuiert wird, tats\u00e4chlich nur eine Karikatur, die aller authentischen\u00a0Versuche des Gottesbeweises spottet, h\u00e4tte Jabba f\u00fcr die Atheisten gescoret. Wird der Punktestand jedoch genaugenommen, liegen\u00a0die Atheisten im\u00a0R\u00fcckstand.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hier mag nun eingewendet werden, dass das\u00a0tertium non datur (der Ausschluss einer dritten Alternative) nicht notwendig ist. Statt f\u00fcr Atheisten oder Religi\u00f6se (&#8222;Christians&#8220;) zu argumentieren, k\u00f6nnte Jabba Agnostiker sein, d. h. die Ungewissheit \u00fcber die Existenz des G\u00f6ttlichen behaupten. Diese Sichtweise ist verk\u00fcrzt, denn Gottesbeweise sind keine Glaubenss\u00e4tze, sondern logische Formalisierungen &#8211; sie unterstehen eindeutiger Beurteilung durch logische Regeln. Der Gottesbeweis muss g\u00fcltig oder ung\u00fcltig sein (richtig oder falsch) und zudem gelungen oder ungelungen (wahr oder unwahr). Obwohl es keine dritte Position geben kann, bezieht Jabba diese. Was bedeutet dieser Umstand f\u00fcr das Bild?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>\u00dcber Fantasie<\/strong><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jabba the Hutt hat nie einen theologisch-philosophischen Diskurs gef\u00fchrt, er wurde auch im eigentlichen Sinne nicht geboren, wuchs nicht heran und seine Sprache ist wom\u00f6glich nicht einmal grammatikalisch vollst\u00e4ndig. Er ist das Produkt der Fantasie und blo\u00df in einer m\u00f6glichen Welt stipuliert. Das bedeutet jedoch nicht, dass f\u00fcr ihn\u00a0andere logische\u00a0Wahrheiten gelten. Sein Universum ist eine Variation des unsrigen, und sich Jabba vorzustellen, bedeutet, die identischen Bedingungen der M\u00f6glichkeit seiner Existenz zu ber\u00fccksichtigen, wie sie f\u00fcr alles Reale vorliegen.\u00a0Wie nun kann Jabba mit Religi\u00f6sen und Atheisten in Konkurrenz treten, ohne Atheist zu sein?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Antwort auf diese Frage kann nicht auf der Objektebene des Gottesbeweises und Jabbas Verh\u00e4ltnis&#8216; zu diesem gefunden werden. Stattdessen m\u00fcssen wir seinen Mythos regressiv &#8211; von hinten &#8211; dekonstruieren. Zu beginnen ist also unter der Annahme, dass Jabbas Argument g\u00fcltig und gelungen ist. Um dies&#8216; zu rechtfertigen, muss die Phrase &#8222;If god isn&#8217;t real, then how come[s]&#8230;&#8220; neu interpretiert werden.\u00a0Statt sie als stereotypen Anfang eines im Internet anzutreffenden Gottesbeweises zu interpretieren, muss sie w\u00f6rtlich genommen werden. Normaler Weise ist die Funktion dieser Satzkonstruktion, durch inneren Widerspruch aufzuzeigen, dass sofern Gott nicht existierte, etwas evidenter Weise Wahres nicht wahr w\u00e4re. Jabba jedoch nennt etwas f\u00fcr Gottesbeweise\u00a0Bedeutungsloses. &#8222;[P]eecha chakka \u00a0no wookie boonowa tweepi solo&#8220; ist zwar sprachlich, doch es bezeichnet nur im Star-Wars-Universum etwas. Die Fantasie des Star-Wars-Universums jedoch beinhaltet keine Gespr\u00e4che \u00fcber die Existenz des G\u00f6ttlichen. Jabbas Argument funktioniert also anders, als blo\u00df etwas Absurdes zu behaupten. W\u00e4hrend nach der Eingangsphrase strukturell etwas Evidentes, ein Gottesbeweis gefordert ist, nennt Jabba etwas, das einem Kontext bar jeden Gottesbeweises entstammt. Mit anderen Worten: Hier gilt die logische Wahrheit &#8222;ex falso quodlibet&#8220;:<\/p>\n<figure id=\"attachment_23\" aria-describedby=\"caption-attachment-23\" style=\"width: 740px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.das-wilde-sein.de\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/ex_falso_quodlibet.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-23\" src=\"http:\/\/www.das-wilde-sein.de\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/ex_falso_quodlibet.png\" alt=\"Quelle\" width=\"740\" height=\"252\" srcset=\"https:\/\/vigorous-carson.84-19-186-9.plesk.page\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/ex_falso_quodlibet.png 740w, https:\/\/vigorous-carson.84-19-186-9.plesk.page\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/ex_falso_quodlibet-300x102.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 740px) 100vw, 740px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-23\" class=\"wp-caption-text\"><a href=\"http:\/\/xkcde.dapete.net\/704\/\">Quelle<\/a><\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Crux dieses Gedanken ist jedoch, dass Jabba keinen Gottesbeweis nennen kann, er kennt keinen. Sein Schluss aus dem Argument kann also weder sein, dass Gott existiert, noch dass er nicht existiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>Die paratheologischen Chromatinf\u00e4den des Skurrilen<\/strong><\/em><\/p>\n<figure id=\"attachment_25\" aria-describedby=\"caption-attachment-25\" style=\"width: 183px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.das-wilde-sein.de\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/12066716_1.jpg\" rel=\"http:\/\/www.icollector.com\/ANDY-WARHOL-Signed-Print-Campbell-s-Tomato-Soup-Can_i12066716\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-25\" src=\"http:\/\/www.das-wilde-sein.de\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/12066716_1-300x300.jpg\" alt=\"Eine von Andy Warhols &quot;Campbell\u2019s Soup Cans&quot; (1962)\" width=\"183\" height=\"183\" srcset=\"https:\/\/vigorous-carson.84-19-186-9.plesk.page\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/12066716_1-300x300.jpg 300w, https:\/\/vigorous-carson.84-19-186-9.plesk.page\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/12066716_1-150x150.jpg 150w, https:\/\/vigorous-carson.84-19-186-9.plesk.page\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/12066716_1-1024x1024.jpg 1024w, https:\/\/vigorous-carson.84-19-186-9.plesk.page\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/12066716_1.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 183px) 100vw, 183px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-25\" class=\"wp-caption-text\">Eine von Andy Warhols &#8222;Campbell\u2019s Soup Cans&#8220; (1962); <a href=\"http:\/\/www.icollector.com\/ANDY-WARHOL-Signed-Print-Campbell-s-Tomato-Soup-Can_i12066716\">Quelle<\/a><\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gewiss ist es angesichts des Mediums Internet kontraintuitiv, die vorgestellte Alternativinterpretation zur Karikatur f\u00fcr die Intention des K\u00fcnstlers zu halten. Indes, Kunst hat nicht nur eine produktions\u00e4sthetische Seite, sondern wichtiger noch eine rezeptions\u00e4sthetische. Oft steht\u00a0in Anbetracht junger Kunststile wie etwa Andy Warhols Pop-Art die Frage im Raum, weswegen sie Kunst betitelt wird. Zurecht antworten K\u00fcnstler auf diese Provokation damit, dass es des richtigen Publikums bedarf. Auch Jabbas Argument kann auf die vorgestellte Weise nur gew\u00fcrdigt werden, wenn es au\u00dferhalb seines reiz\u00fcberfluteten Kontextes interpretiert wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Insgesamt sind wir also zu dem Ergebnis gekommen, dass Jabbas Pseudo-Gottesbeweis gelungen ist, weil er misslungen ist. Erst die Referenz auf die Star-Wars-Fantasie gestattet mit einem Taschenspielertrick, zugleich auf den Internetdiskurs nach Art &#8222;If god isn&#8217;t real&#8220; Bezug zu nehmen, und seine logischen Limitationen zu transzendieren, indem ein Argument angef\u00fchrt wird, das in einer Welt evident sein mag, in der Gottes Existenz irrelevant ist. Der Gewinn dieses Gedankenspiels zuletzt ist, dass zur Distanz gegen\u00fcber der logischen Dichotomie von Existenz und Inexistenz des Transzendenten eingeladen wird. Der Diskurs dieser Art muss nicht l\u00e4cherlich gemacht werden, um sich nicht mit ihm besch\u00e4ftigen zu m\u00fcssen &#8211; er muss aber auch nicht ernst genommen werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vom Sinn der Bildkritik \u00a0Kulturwissenschaftliche und kunstgeschichtliche Reflexionen \u00fcber symbolische Bedeutung und \u00e4sthetischen Wert von Kunstwerken sind\u00a0im akademischen Selbstverst\u00e4ndnis moderner Kulturen etabliert. Sie sind eine bew\u00e4hrte Tradition, deren Gegenstand im Regelfall der Menge geschichtlich relevanter Klassiker oder zeitgen\u00f6ssischer Avantgarde entstammt. Die Auseinandersetzung mit dem instrumentellen Einsatz von Bildern, etwa zur medialen Kommunikation oder\u00a0politischen Meinungsbildung, l\u00e4sst &hellip; <a href=\"https:\/\/vigorous-carson.84-19-186-9.plesk.page\/?p=6\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Paratheologische Bissen<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,16],"tags":[],"class_list":["post-6","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bildkritik","category-hauptsaechliches"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/vigorous-carson.84-19-186-9.plesk.page\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/vigorous-carson.84-19-186-9.plesk.page\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/vigorous-carson.84-19-186-9.plesk.page\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vigorous-carson.84-19-186-9.plesk.page\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vigorous-carson.84-19-186-9.plesk.page\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=6"}],"version-history":[{"count":20,"href":"https:\/\/vigorous-carson.84-19-186-9.plesk.page\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":33,"href":"https:\/\/vigorous-carson.84-19-186-9.plesk.page\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6\/revisions\/33"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/vigorous-carson.84-19-186-9.plesk.page\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=6"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/vigorous-carson.84-19-186-9.plesk.page\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=6"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/vigorous-carson.84-19-186-9.plesk.page\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=6"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}