{"id":52,"date":"2014-08-05T19:03:38","date_gmt":"2014-08-05T17:03:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.das-wilde-sein.de\/?p=52"},"modified":"2014-08-05T19:03:38","modified_gmt":"2014-08-05T17:03:38","slug":"die-geburt-des-wissens-aus-dem-geiste-der-musik-kommentar-zum-beethoven-motiv-aus-dem-film-knowing-2009","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vigorous-carson.84-19-186-9.plesk.page\/?p=52","title":{"rendered":"Die Geburt des Wissens aus dem Geiste der Musik: Kommentar zum Beethoven-Motiv aus dem Film &#8222;Knowing&#8220; (2009)"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>Der n\u00f6tige Ernst<br \/>\n<\/strong><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nachvollziehbarkeit, wie\u00a0Verst\u00e4ndlichkeit, ist nicht voraussetzungslos. Im Gegenteil wird\u00a0sie bisweilen erst durch mannigfache vorhergehende Bem\u00fchungen erreichbar. Zugleich beruht ein Gro\u00dfteil (wichtig: nicht alle) der Versuche,\u00a0die Kommunikation aufzunehmen, auf der Hoffnung, nachvollziehbar zu handeln, zu sprechen oder zu wirken. Je feingeistiger, je komplexer und je ungewohnter nun die Aufforderung zum Mitvollzug ist, umso gr\u00f6\u00dfer ist die gestellte Herausforderung. Zugleich ist diese Gr\u00f6\u00dfe eine hervorragende Skala, um zwischen seinen Mitmenschen zu differenzieren &#8211; w\u00e4hrend der eine bereits daran scheitern mag, sich um den Mitvollzug zu bem\u00fchen, sobald der Anspruch zu sehr gestiegen ist, h\u00e4lt der Bruder im Geiste wom\u00f6glich sogar noch bis dorthin mit, wo es einem selbst\u00a0eine Erschwernis wird, die eigen Gedanken nachzuvollziehen. Diese<\/p>\n<figure id=\"attachment_70\" aria-describedby=\"caption-attachment-70\" style=\"width: 192px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.das-wilde-sein.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Lotman2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-70\" src=\"http:\/\/www.das-wilde-sein.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Lotman2.jpg\" alt=\"Juri Michailowitsch Lotman; Quelle\" width=\"192\" height=\"232\" srcset=\"https:\/\/vigorous-carson.84-19-186-9.plesk.page\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Lotman2.jpg 300w, https:\/\/vigorous-carson.84-19-186-9.plesk.page\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Lotman2-248x300.jpg 248w\" sizes=\"auto, (max-width: 192px) 100vw, 192px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-70\" class=\"wp-caption-text\">Juri Michailowitsch Lotman; <a href=\"http:\/\/www.phillwebb.net\/history\/Twentieth\/Continental\/(Post)Structuralisms\/Structuralism\/Lotman\/Lotman.htm\">Quelle<\/a><\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">Pointe l\u00e4sst Undeutlichkeit\u00a0eine Funktion zukommen. Sie begr\u00fcndet meine Verehrung des Missverst\u00e4ndnisses. Ihren theoretischen Ausdruck findet sie etwa in\u00a0Juri Michailowitsch Lotmans Unterscheidung von Rhetorismus und Antirhetorismus in dem\u00a0Werk &#8222;Die Innenwelt des Denkens&#8220; (2010). Seine fixe Idee ist, dass Sprache nicht urspr\u00fcnglich eindeutig, sondern mehrdeutig ist &#8211; und die antirhetorische Bem\u00fchung um Verst\u00e4ndnis erst k\u00fcnstlich hinzutritt. Trotz Rhetorismus nachvollziehbar sein zu wollen, ist also nicht zwingend ein\u00a0Zeichen von Unverst\u00e4ndnis oder unangebrachter \u00dcberforderung, sondern manches Mal eine freundschaftliche Herausforderung: Es gibt nichts besseres, als ein gutes Missverst\u00e4ndnis.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um f\u00fcr den nachstehenden Gedanken empf\u00e4nglich zu sein, um ihn nachvollziehen zu k\u00f6nnen, erfordert es meines Erachtens eine distinkte Stimmung. Sie ist gepr\u00e4gt von syn\u00e4sthetischer Empf\u00e4nglichkeit f\u00fcr die Bedeutung von Musik f\u00fcr Geisteszust\u00e4nde und einen authentischen\u00a0Pathos, der sich selbst ernster nimmt, als es n\u00f6tig\u00a0ist\u00a0&#8211; in anderen Worten: eine reiche Stimmung, wie etwa die Manie, der Fiebertraum oder die Euphorie. Ich kann mir nicht vorstellen, dass durch diese Stimmung die Argumente, die ich vorzubringen gedenke, g\u00fcltig oder gelungen\u00a0werden, sie sind es unabh\u00e4ngig von ihr, doch die Relevanz des zu Sagenden h\u00e4ngt fundamental davon ab, ob der der Leser dazu bereit ist, den indifferenten, diffusen und entropischen Status zu verlassen, der das Medium Internet so suggestiv macht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>Eine Pilgerfahrt zu Beethoven<\/strong><\/em><\/p>\n<figure id=\"attachment_71\" aria-describedby=\"caption-attachment-71\" style=\"width: 460px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.das-wilde-sein.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Richard-Wagner-1868-008.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-71 size-full\" src=\"http:\/\/www.das-wilde-sein.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Richard-Wagner-1868-008.jpg\" alt=\"Richard Wagner; Quelle\" width=\"460\" height=\"276\" srcset=\"https:\/\/vigorous-carson.84-19-186-9.plesk.page\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Richard-Wagner-1868-008.jpg 460w, https:\/\/vigorous-carson.84-19-186-9.plesk.page\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Richard-Wagner-1868-008-300x180.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 460px) 100vw, 460px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-71\" class=\"wp-caption-text\">Richard Wagner; <a href=\"http:\/\/www.theguardian.com\/music\/series\/wagner-a-to-z+richard-wagner\">Quelle<\/a><\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Richard Wagners Novelle diesen Namens, die er 1840 nach E. T. A. Hofmanns Vorbild verfasste, trifft der Musiker R. auf Ludwig van Beethoven, um mit diesem \u00fcber eine\u00a0Auff\u00fchrung des Fidelios zu sprechen. Wagner nun legt Beethoven einige Worte in den Mund, die eine Atmosph\u00e4re zu schaffen in der Lage sind, in deren Licht Beethovens Werk so zu erscheinen tendiert, wie es mir f\u00fcr die anstehende Filminterpretation im Geiste steht. Beethoven sagt also: &#8222;Wenn ich eine Oper machen wollte, die nach meinem Sinne w\u00e4re, w\u00fcrden die Leute davonlaufen; denn da w\u00fcrde nichts von Arien, Duetten, Terzetten und all dem Zeuge zu finden sein, womit sie heutzutage die Oper zusammenflicken, und was ich daf\u00fcr machte, w\u00fcrde kein S\u00e4nger singen und kein Publikum h\u00f6ren wollen. Sie kennen alle nur die gl\u00e4nzende L\u00fcge, brillianten Unsinn und \u00fcberzuckerte Langweile. Wer ein wahres musikalisches Drama machte, w\u00fcrde f\u00fcr einen Narren angesehen werden, und w\u00e4re es auch in der Tat, wenn er so etwas nicht f\u00fcr sich selbst behielte,<\/p>\n<figure id=\"attachment_77\" aria-describedby=\"caption-attachment-77\" style=\"width: 217px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.das-wilde-sein.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Beethoven_Hornemann.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-77\" src=\"http:\/\/www.das-wilde-sein.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Beethoven_Hornemann.jpg\" alt=\"Ludwig van Beethoven, 1803; Quelle\" width=\"217\" height=\"247\" srcset=\"https:\/\/vigorous-carson.84-19-186-9.plesk.page\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Beethoven_Hornemann.jpg 800w, https:\/\/vigorous-carson.84-19-186-9.plesk.page\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Beethoven_Hornemann-263x300.jpg 263w\" sizes=\"auto, (max-width: 217px) 100vw, 217px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-77\" class=\"wp-caption-text\">Ludwig van Beethoven, 1803; <a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Ludwig_van_Beethoven\">Quelle<\/a><\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">sondern es vor die Leute bringen wollte&#8220;. Gewiss kommt in dieser Aussage gleicherma\u00dfen Ressentiment wie Chauvinismus zum Ausdruck, mir geht es jedoch um das existentiell reinere Moment des Individualismus. Die Aussage Beethovens, die Wagner hier fingiert, begreift sich im authentischen Kern in Abgrenzung vom Kollektiv; nicht erst, weil die Masse nicht verst\u00e4ndig genug ist, sondern vielmehr wesentlich weil sie unverst\u00e4ndig ist &#8211; weil sie nicht anders sein k\u00f6nnte. In anderen Worten: Beethoven denkt an Musik f\u00fcr das Reich des Geistes, nicht das Reich der Macht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>Von der ann\u00e4hernden Irrelevanz des Kontextes<\/strong><\/em><\/p>\n<figure id=\"attachment_75\" aria-describedby=\"caption-attachment-75\" style=\"width: 271px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.das-wilde-sein.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Knowingposter08.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-75\" src=\"http:\/\/www.das-wilde-sein.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Knowingposter08.jpg\" alt=\"Filmplakat; Quelle\" width=\"271\" height=\"400\" srcset=\"https:\/\/vigorous-carson.84-19-186-9.plesk.page\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Knowingposter08.jpg 299w, https:\/\/vigorous-carson.84-19-186-9.plesk.page\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Knowingposter08-203x300.jpg 203w\" sizes=\"auto, (max-width: 271px) 100vw, 271px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-75\" class=\"wp-caption-text\">Filmplakat; <a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Knowing_(film)\">Quelle<\/a><\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hier soll nun die Rede von einem Filmausschnitt sein, der ein Teil des 2009 ver\u00f6ffentlichten Films &#8222;Knowing&#8220; von Alex Proyas ist. Von dem Film selbst soll hier indessen nicht die Rede sein; nicht jedoch weil seine Thematisierung den Rahmen dieses Textes \u00fcberdehnt, sondern weil er irrelevant werden muss. Hierunter ist zu verstehen, dass die anstehende Impression der Szene ihre Wirkung losgel\u00f6st und unverbunden mit der \u00fcbrigen Handlung und Szenerie entfaltet. Die Kontextualisierung ist somit gleichsam sch\u00e4dlich wie irref\u00fchrend, denn sie kann nichts beitragen und weist nicht \u00fcber die Szene hinaus. Der Grad, in dem der Film einen Beitrag zur Interpretation der Szene liefern kann, beschr\u00e4nkt sich auf ein H\u00f6chstma\u00df an Generalisierung. Die entscheidende Information ist, dass der Protagonist, gespielt von Nicolas Cage, der im Verlauf der Szene hinter die Musik in den Hintergrund tritt, Bewusstsein von der Tatsache erlangt hat, dass das Leben aller Menschen verwirkt ist. In der Passage, die ich kommentieren m\u00f6chte, befindet er sich\u00a0in seinem Automobil. F\u00fcr die weitere Ausdeutung des Films ist das Ziel seiner Fahrt ebenso relevant wie der soziale Status seiner Rolle, doch hier soll nun mehr nicht ber\u00fccksichtigt werden, als dass er im Bewusstsein vom\u00a0Ende der Welt ein Auto navigiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>Das Geschehnis<\/strong><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der relevante Abschnitt beginnt mit der Einfahrt des Protagonisten in eine nordamerikanische Gro\u00dfstadt, seinem Blick zum Himmel und der Aktivierung des Autoradios und endet mit seiner Ankunft am Zielort. Die Szene dauert mehr als eineinhalb Minuten und hat keinen gesprochenen Text. In ihrem Mittelpunkt steht der Ton; es beginnt mit diffusem Stimmengewirr, bis mit dem Tastendruck auf das Radio der zweite Satz von Beethovens siebter Symphonie einsetzt. Im Verlauf der Szene bleibt einzig die Musik zu h\u00f6ren, bis an ihrem Ende eine Kamerafahrt von dem Fahrzeug hinweg in die H\u00f6he stattfindet und zu der Musik erneut das Stimmengewirr einsetzt. Die Fahrt selbst spielt keine Rolle, ist vielmehr der Anlass f\u00fcr den Blick in die auf der Stra\u00dfe wogende Masse an desorientierten Menschen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_80\" aria-describedby=\"caption-attachment-80\" style=\"width: 219px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.das-wilde-sein.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/schoepfer-des-militaerfernsten-generals-der-literaturgeschichte-robert-musil-der-von-1880-bis-1942-lebte.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-80\" src=\"http:\/\/www.das-wilde-sein.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/schoepfer-des-militaerfernsten-generals-der-literaturgeschichte-robert-musil-der-von-1880-bis-1942-lebte.jpg\" alt=\"Robert Musil; Quelle\" width=\"219\" height=\"293\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-80\" class=\"wp-caption-text\">Robert Musil; <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/buecher\/unsere-romanhelden\/unsere-romanhelden-general-stumm-von-bordwehr-11985836-b1.html\">Quelle<\/a><\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Masse ist desindividuiert, sie tr\u00e4gt kein Gesicht und besteht aus nicht mehr als\u00a0Frag-mentationen leiblicher Entit\u00e4ten. Sie ist kein acrylfarbenes Portrait, sondern das Fresko eines Gro\u00dfstadtpanormas, wie es seit der Industrialisierung in der kulturpessimistischen Belletristik skizziert wurde. Die anonymen Glieder dieser Masse sind also Instanziierungen des &#8222;Manns ohne Eigenschaften&#8220; (Robert Musil), d. h. ihr Verhalten ist durch einen Herdentrieb bestimmt, ohne dass sie aus ihrem rasenden Treiben jemals hinaus geraten k\u00f6nnten. Die symbolische Auslegung dieser Szene wird erst dann m\u00f6glich, wenn dieser antirealistische Modus der Darstellung nicht durch gemeinen Menschenverstand unterminiert wird. In anderen Worten: Es liegt nahe, dem irrenden Treiben der Massen durch psychologische Projektionen Vollst\u00e4ndigkeit zu attribuieren, d. h. ihnen Intentionen, Pl\u00e4ne und Sinn zuzuschreiben, doch in dieser Szene ist es essentiell, dem wilden Treiben mehr nicht als sein ureigenes Chaos einzugestehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>Die Pointe<\/strong><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Leicht l\u00e4sst sich die Szene rationalisieren, solange der das Gef\u00e4hrt man\u00f6vrierende Protagonist als dem Geschehnis extern verstanden wird. Die Ruhe und die Feierlichkeit seines Auftritts scheinen der Konzentration auf die Fahrt geschuldet und nicht von der allgemeinen Konfusion ergriffen zu sein, ist Resultat der routinierten und automatisierten Handlungsabfolge des Autofahrens. Inmitten der Weltuntergangsstimmung fokussiert die Kamera jedoch ein stillstehendes Paar. Der seine Partnerin in den Armen haltende Mann wirft dabei der anscheinend die Fahrt des Automobils nachvollziehenden Kameraperspektive einen tiefen, unverw\u00fcstlichen und bedeutungsschwangeren Blick zu. Hier manifestiert sich nun die k\u00fcnstlerische Aussage in einem Einbruch des Sakralen in die Profanit\u00e4t des tobenden Chaos&#8216;. Dieser Blick ist eine Transformation des Augurenl\u00e4chelns in eine der Tragik der Szenerie entsprechende Form &#8211; es ist der Blick des Wissenden, der sich an einen Mitwisser richtet.<\/p>\n<figure id=\"attachment_83\" aria-describedby=\"caption-attachment-83\" style=\"width: 244px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.das-wilde-sein.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/800px-R\u00f6mische_Auguren_WHM_14-1863_S_436.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-83\" src=\"http:\/\/www.das-wilde-sein.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/800px-R\u00f6mische_Auguren_WHM_14-1863_S_436-244x300.jpg\" alt=\"Zwei Auguren bei der Vogelschau; Quelle\" width=\"244\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/vigorous-carson.84-19-186-9.plesk.page\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/800px-R\u00f6mische_Auguren_WHM_14-1863_S_436-244x300.jpg 244w, https:\/\/vigorous-carson.84-19-186-9.plesk.page\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/800px-R\u00f6mische_Auguren_WHM_14-1863_S_436.jpg 800w\" sizes=\"auto, (max-width: 244px) 100vw, 244px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-83\" class=\"wp-caption-text\">Zwei Auguren bei der Vogelschau; <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Augur\">Quelle<\/a><\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Medium des Blicks wird k\u00fcnstlerisch indessen erst durch Beethovens siebte Symphonie zug\u00e4nglich. Das gew\u00e4hlte St\u00fcck mag zwar nach der Intention des Drehbuchs in erster Linie eine feierlich-sakrale Atmosph\u00e4re erzeugen, doch, was relevant ist, wird hier erneut in erster Linie durch die Rezeptions\u00e4sthetik inauguriert. Tats\u00e4chlich enth\u00e4lt der zweite Satz besagter Symphonie eine motivische Anleihe an den zuvor erw\u00e4hnten Fidelio &#8211; hier schlie\u00dft sich ein Kreis. Der Kontrast des navigierenden Protagonisten sowie dem Paar und der tosenden Masse ist Wagners Unterschied zwischen den &#8222;Leuten&#8220; und &#8222;es f\u00fcr sich selbst behalten&#8220;. Es ist das Wissen der Kassandra, das es zu verk\u00fcnden nicht lohnt, weil es nie ernstgenommen w\u00fcrde. Beethovens\u00a0orchestrale Musik ist der reinste Ausdruck dieses Urph\u00e4nomens (im Sinne Goethes).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schnell l\u00e4sst sich hier die Frage danach anschlie\u00dfen, unter welchen Umst\u00e4nden dieses Urph\u00e4nomen zur Geltung komme. Hier meine ich nun, dass es dem einen oder anderen freien Geist intuitiv bereits intim vertraut sein mag, der ruhigen Gem\u00fctes durch eine gesch\u00e4ftig treibende Hauptstra\u00dfe wandelt oder statt das Aufsehen erregende Ereignis zu beachten, seinen Blick auf die aufmerksame Menge der Beobachter wendet. Es ist ein Ethos der Selbstdistanz, das nicht auf Intelligenz oder Macht beruht, sondern aus der Klarheit der Einsicht und des Selbstbewusstseins hervorgeht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der n\u00f6tige Ernst Nachvollziehbarkeit, wie\u00a0Verst\u00e4ndlichkeit, ist nicht voraussetzungslos. Im Gegenteil wird\u00a0sie bisweilen erst durch mannigfache vorhergehende Bem\u00fchungen erreichbar. Zugleich beruht ein Gro\u00dfteil (wichtig: nicht alle) der Versuche,\u00a0die Kommunikation aufzunehmen, auf der Hoffnung, nachvollziehbar zu handeln, zu sprechen oder zu wirken. 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